Gas aus Afrika

Wenn die Kanzlerin Algerien besucht, dient das vor allem der deutschen Wirtschaft. Afrikanische Staaten haben das Interesse der internationalen Wirtschaft entdeckt. Geschäftlich ist allerdings nicht viel rumgekommen. Ein Vertrag über den Bau einer Riesenmoschee und ein eventueller Fregattenverkauf wurden vereinbart. Während es vor fünf Jahren gerade mal 30 deutsche Firmen in Algerien gab, sind es 2008 schon 160. Nach Aussage von Michael Nonnerjahn vom Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft ist Algerien neben Libyen einer der interessantesten Partner für die deutsche Wirtschaft.

Deutsche Unternehmen sind schon seit Jahrzehnten in Algerien aktiv. Der Chef der algerischen Industrie- und Handelskammer wertet die Präsens deutscher Unternehmn, auch in Bürgerkriegszeiten, als Vertrauensbeweis. Auf diesen positiven Eindruck hoffen die Deutschen, wenn es um die Ausbeutung der algerischen Öl- und Gasvorkommen geht. Deutschland bezieht zurzeit ca. 17% seiner Erdölimporte aus Afrika.

Die Handelspartner Algerien, Libyen, Nigeria und Angola sind mit dafür verantwortlich, dass der Außenhandel so schnell wächst. Die algerischen Staatsfirmen Sonatrach und Sonelgaz beliefern Frankreich, Spanie, Italien und Belgien mit Erdgas. Ab 2009 sollen die Schiffslieferungen um eine Mittelmeerpipeline ergänzt werden. Durch "Medgaz" sollen einmal 8.000.000.000 m³ jährlich strömen.

Europäische Bemühungen um Algerien und Nigeria

Für Eon Ruhrgas ist Algerien ein strategischer Partner. Im Juni hat der Energieversorger dort sein erstes Büro eröffnet. 2007 produzierte Algerien 64 Milliarden Kubikmeter Erdgas, 2012 sollen es 85 Milliarden werden und bis 2030 auf 144 Milliarden ansteigen. Die Europäer sind an afrikanischem Gas deshalb interessiert, weil es die Abhängigkeit von Russland mindern würde. Es gibt sogar schon Pläne für eine 4.000 Kilometer lange Transsaharapipeline. Über diesen Weg sollen von Nigeria aus 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Algerien gelangen, bevor es von dort aus weiter Richtung Europa strömt.

Gazprom steht auch schon vor der Tür

Wenn es um die Ausbeutung von Gasvorkommen geht, kann Gazprom natürlich nicht weit sein. Der russische Staatskonzern beteiligte sich an einer Ausschreibung für die Pipeline und plant Milliardeninvestitionen in Nigeria. In Libyen betreibt Gazprom mit dem italiensichen Konzern Eni Explorationsprojekte, außerdem setzt es auf eine Partnerschaft mit der algerischen Sonatrach. Beide Konzerne haben gemeinsame Investitionen in Drittländern im Sinn.